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Was kostet Kunst?

Hast du dich schon mal gefragt, warum manche Kunstwerke so teuer sind? Und andere zu Schleuderpreisen fast verschenkt werden? Wer bestimmt den Preis für Kunst?

Was kostet Kunst: Die Regeln des Kunstmarktes und wieso ich mich nicht daran halte

wieso ich mich nicht an die Regeln des Kunstmarktes halte

Seit zwei Jahren führe ich eine Kunstgalerie, die so offen ist, dass sich jeder reintrauen kann. Ich bin Quereinsteigerin in der Kunstszene und habe mich intensiv mit der Preisbildung für Kunst beschäftigt. Denn eine meiner ersten Herausforderungen war es, die Preise für die Kunstwerke festzulegen.

 

Hier schreibe ich meine eigenen Recherche-Erkenntnisse und warum ich mich nicht so genau an die Regeln des Kunstmarktes halte. 

 

 

Große Auktionshäuser erzielen Preise in astronomischen Höhen

Schon seit einigen Jahren steigen die Preise auf dem Kunstmarkt in den Auktionshäusern Christie´s und Sotheby´s in unfassbare Höhen. Die Käufer sind Kunstsammler. Sie kommen nicht nur aus Europa und Amerika, sondern verstärkt aus Asien, dem mittleren Osten und Russland. Es gibt eine wachsende Zahl an Millionären, die sich für Kunst begeistern.

 

Ob sie die Schönheit schätzen? 

Ich vermute schon, denn es geht nicht allen einzig darum, den Wert des Geldes zu vermehren, obschon die Wertsteigerung eine große Rolle spielt. Transport, Lagerung und Versicherung für die teuren Objekte verschlingen zusätzlich große Summen. Für einige der millionenschweren Käufer ist es ein Statussymbol. Sie zeigen, was sie haben und können.

 

 

Gleichzeitig findest du Kunst für wenig Geld

Auf der anderen Seite gibt es jede Menge online-Shops, man kann Kunst auf Flohmärkten, Ebay-Kleinanzeigen oder Etsy zu sehr günstigen Preisen kaufen. Darunter auch selbst Geschaffenes von Hobby-Künstlern und Erbstücke von Omas Wand. 

 

 

Wie entstehen die PReise in einer Kunstgalerie?

Als Faustregel gilt

Ein Original ist teurer als ein Kunstdruck. Bei Kunstdrucken wird unterschieden, ob es ein Digitaldruck, ein Siebdruck, eine Radierung, Holz- oder Linolschnitt ist. Ein großes Werk kostet mehr als ein kleines. Die verwendeten Materialien und die Technik beeinflussen ebenfalls den Preis. 

 

Der wichtigste Faktor ist der Künstler selbst

Ein unbekannter Künstler ist günstiger als ein großer Star der Szene. Falls du dich für Kunst als Wertanlage interessierst, bist du bei Galerien gut aufgehoben, die bekannte Namen vertreten. Wenn es dir vor Allem um die Wirkung des Bildes selbst geht, kannst du dich auch unter den unbekannteren Künstler umsehen und eine große Vielfalt entdecken. 

 

Kunstpreisformel

Bei meiner Recherche bin ich immer wieder auf diese Berechnungsformel gestoßen. Sie gilt für bildende Kunst der Gegenwart und ist im Prinzip ganz einfach:

 

  • (Länge in cm + Breite in cm) * Künstlerfaktor = Verkaufspreis EUR

 

Klingt einfach, aber was ist der Künstlerfaktor?

Im Euro-Währungsraum startet man bei Einsteigern mit einem Künstlerfaktor zwischen 5 und 10, manche beginnen sogar mit Faktor 3. Nach oben gibt es keine Grenze. 

 

Ich erkläre es an einem Beispiel:

 

Ein Bild 100cm*100cm groß, das ergibt Länge + Breite = 200

  • Künstler A startet mit Faktor 5: 200*5 = 1000€
  • Künstler B hat Faktor 10: 200*10 = 2000€

 

Das Bild ist 40cm*50cm, Länge + Breite = 90

  • Künstler A mit Faktor 5: 90*5 = 450€
  • Künstler B mit Faktor 10: 90*10 = 900€

 

Die Formel regelt den Preis abhängig von der Größe des Bildes und dem  Künstlerfaktor
Zwei Gemälde von Adam, Künstlerfaktor 9,6: links 80cm*95cm, 1.670€ , rechts: 100cm*150cm, 2.400€

Übrigens startete Gerhard Richter, der wohl aktuell am teuersten gehandelte lebende Künstler aus Europa - 2015 wurde eines seiner Werke für 41 Millionen EUR versteigert - mit einem sehr niedrigen Faktor um die 4 , damals noch in der Währung Deutsche Mark DM, später lag er immerhin bei 10.

Ihm war es wichtig, dass sein Bilder verkauft werden und unter die Menschen kommen. (Quelle DIE ZEIT Nr. 48/2012 vom 22.11.2012)

 

 

Die Regeln des Kunstmarktes

Kunst ist kein Gebrauchsgegenstand und kein profanes Produkt aus dem Supermarktregal. Darum gelten im Kunstmarkt spezielle Regeln.

  • Der Faktor eines Künstler und damit der Preis für seine Kunstwerke darf nie sinken, es gibt nur eine Richtung: nach oben.  
  • Keine Rabatte, Ausverkäufe oder Schnäppchen: Mit der einzigen Ausnahme - Kunden, die gleich mehrere Werke kaufen oder der Galerie als Kunstsammler gut bekannt sind, können einen Rabatt von maximal 10% bekommen.
  • Preise werden nicht offen gezeigt: Angeblich lenkt das vom Kunstwerk ab, deshalb sollen Preise beim Galeristen oder beim Künstler erfragt werden.
  • Ein Galerist oder Künstler, der sich nicht an die Regeln hält, zeigt mangelnden Kunstverstand und wird in der Kunstszene nicht weit kommen.  

 

Anders als normalerweise in der Wirtschaft sollen im Kunstmarkt nicht nur Angebot und Nachfrage bestimmen:

Der Preis definiert sich vor allem durch den Künstler, seine Ausbildung, seine bisherigen Ausstellungen, Auszeichnungen und von welcher Galerie er vertreten wird - kurz gesagt: durch Beliebtheit und Erfolg. Der Faktor steigt, wenn der Künstler seine Werke gut verkauft.

 

Meine Schlussfolgerung daraus: Natürlich spielt die Nachfrage eine große Rolle. An dieser Stelle konnte ich die Regeln und die Begründung nicht mehr nachvollziehen. 

  

 

in meiner Galerie halte ich mich nicht an diese Regeln

Wie ich meine Preise mache

Ein großer Vorteil der eigenen Galerie - hier darf ich bestimmen.

Meine Preise habe ich mit den Künstlern abgestimmt, sie spiegeln ihre eigene Einschätzung wieder. Dabei denke ich daran, dass es sich ein “normaler” Mensch leisten können soll.

Zudem überlege ich, was ich bereit wäre, für ein Bild oder eine Skulptur zu zahlen, so als Kunsteinsteiger eben.

 

Ob der Kunstschaffende studiert hat oder Autodidakt ist, ob alt oder jung, weiblich oder männlich, ob er hauptberuflich Künstler ist oder es intensiv nebenberuflich betreibt, das alles kannst Du dem Kunstwerk nicht unbedingt ansehen.

Wohl aber, wie viel Energie und Hingabe im Kunstwerk steckt und vor allem, welche Gefühle es in Dir auslöst. 

 

Die Preise von anderen Galerien und Online-Portalen habe ich gar nicht weiter einbezogen, das fand ich einfach viel zu unübersichtlich. Statt dessen lasse ich gesunden Menschenverstand und mein Bauchgefühl sprechen.

 

Neben der Größe des Bildes berücksichtige ich ebenfalls den Aufwand.

Zum Beispiel habe ich vom Künstler Adam drei Gemälde in der gleichen Größe. Das Bild “Lady Leonids Meteor” ist in einer aufwendigeren Technik gemalt. Der Künstler braucht dafür viel mehr Zeit. Darum ist das Bild bei gleicher Größe teurer. So hat es der Künstler selbst gewünscht und so gebe ich es an meine Kunden weiter. 

 

 

Nicht zuletzt zeigt der Preis deine Wertschätzung gegenüber der Arbeit des Künstlers, der viele Stunden Übung, Kreativität und Herzblut hineingesteckt hat.

 

"Eskimo" - Gemälde von Adam, 100cm*150cm, 2400€
"Eskimo" - Gemälde von Adam, 100cm*150cm, 2400€
Detail des Gemäldes "Eskimo"
Detail des Gemäldes "Eskimo"
"Eskimo" - Gemälde von Adam, 100cm*150cm, 2400€
"Lady Leonids Meteor" - Gemälde von Adam, 100cm*150cm, 2760€ , der Preis ist bei gleicher Größe höher wegen der aufwendigen Technik
Detail des Gemäldes "Lady Leonids Meteor"
Detail des Gemäldes "Lady Leonids Meteor"

Ein Kunstsammler kann entscheidend den Markt bestimmen

Sehr interessant ist dieses Phänomen:

Beginnt ein bekannter Kunstsammler die Werke eines bisher unbekannten Künstlers zu kaufen, dann steigt der Faktor des Künstlers ziemlich schnell. So kann ein Sammler den Markt entscheidend beeinflussen: Er kauft, und dadurch wird es wertvoll. Toll für Künstler, Kunstsammler Wertgutachter und die Galerie, denn sie verdienen alle daran mit.

 

Museen und staatliche Einrichtungen sind ebenfalls in diesen Geschäften verbandelt. Denn ein gehypter Künstler muss letztendlich durch eine öffentliche Ausstellung geadelt werden, um seinen Wert zu legitimieren. Die Presse und der normale Ausstellungsbesucher werden über viele Verbindungen und Geldflüsse im Unklaren gelassen.

 

Es ist ein Markt, der sich mit Absicht bedeckt und elitär hält. Viele Kunstwerke schlummern in Bunkern und Tresoren, bevor sie irgendwann wieder auf einer Auktion auftauchen oder ausgestellt werden. Hier geht es knallhart um Angebot und Nachfrage, um Profit. Auch der Schwarzmarkt, Geldwäsche (Quelle: FAZ, aktualisiert am 14.04.2017) und Steuersparmodelle spielen eine Rolle.

Für viele gilt: "Gute Kunst muss teuer sein." (Quelle: Die Welt, Kultur, veröffentlicht am 22.11.2018

 

Der hochpreisige Kunstmarkt ist lukrativ für die Mitwirkenden, aber die meisten kommen gar nicht erst rein:

  • Künstler, Kunstinteressierte und Galerien haben gleichermaßen Probleme, diese Hürde zu überwinden
  • Für den Eintritt braucht man Geld, gute Beziehungen oder eine riesige Portion Glück - am besten alles zusammen

 

 

Was möchten die Künstler

Künstler haben eigene Ziele:

Sie möchten mit ihrer Kunst die Welt bewegen, Probleme beleuchten und die Menschen zum Denken und Fühlen anregen. Geld verdienen steht oft nicht an erster Stelle. Es geht um die Kunst selbst. 

 

Dennoch wünschen sich die meisten Wertschätzung für ihre Arbeit:

Manche messen den Erfolg im Verkauf ihrer Werke, wieder andere im Feedback der Betrachter, Ausstellungen in einem Museum oder Auszeichnungen. 

 

Fast alle wünschen sich, von ihrer Kunst leben zu können.

Auf der anderen Seite wollen sich viele Künstler nicht verbiegen. Sie möchten machen, was sie in sich spüren und nicht, was der Kunstmarkt begehrt. Nur so kann der Künstler unabhängig arbeiten. 

 

Leider schaffen es die meisten nicht, von ihrer Kunst zu leben und gleichzeitig unabhängig zu sein. Oft müssen sie sich einen anderen Job suchen und können sich nur in der Freizeit ihrer Kunst widmen. 

 

 

40% aller Galerien wirtschaften unrentabel

Das Buch “Management von Kunstgalerien” habe ich vor meiner Gründung nahezu verschlungen. Hier untersucht Autor Magnus Resch -  Galeriegründer und promovierter Ökonom -  den Kunstmarkt und legt die Zahlen auf den Tisch.

 

Das überraschende Ergebnis:

Fast 40% aller Galerien arbeiten überhaupt nicht wirtschaftlich, sondern fahren Verluste ein. Viele müssen nach wenigen Jahren wieder schließen. Die Kunstgalerien, die es geschafft haben, schweigen sich über Preise gern aus. 

 

Seine Meinung:

Die wichtigen Akteure im Kunstmarkt machen alles dafür, das System möglichst undurchsichtig zu halten. Transparenz würde die Preise verderben, aber sie verdienen gut an den hohen Beträgen. Die meisten Galerien setzen einzig auf erfahrene Kunstsammler: Mit dieser Zielgruppe wird das große Geld verdient.  

Deshalb spricht er sich für viel mehr Transparenz aus. Er möchte der Kunstszene den elitären Anspruch nehmen und Kunst für viel mehr Menschen zugänglich machen.

 

Magnus Resch beschreibt, dass der Kunstmarkt trotz der speziellen Regeln nach den bekannten Prinzipien der Marktwirtschaft funktioniert.

Darum regt er an, die ganze Bandbreite des Marketing zu nutzen. Er schlägt sogar vor, Rabattaktionen und Ausverkäufe anzubieten. Mit seinen Ideen möchte er interessierte Kunsteinsteiger ansprechen und Kunst und Menschen näher zusammenzubringen. 

 

So kann hoffentlich die Vielfalt der Künstler und Galerien wachsen, damit nicht nur für den Geschmack weniger reicher Sammler Kunst “produziert” wird.

 

Seine Vorschläge finde ich klasse, denn sie passen gut zur Idee meiner Kunstgalerie mit dem Wau-Effekt, die offen für alle ist. 

 

 

Zurück zum Künstlerfaktor

Ich habe mal für ein paar Werke den Faktor in meiner Galerie ausgerechnet: der höchste ist 11, der niedrigste unter 5. Dabei sind unter meinen Künstler viele studierte Künstler und sehr erfahrene Autodidakten. 

 

Bin ich zu billig?

Ich finde: nein. Diese erschwinglichen Preise passen am besten zu meiner Vision: Menschen für Kunst begeistern und Künstlern helfen, erfolgreich zu sein.

 

Bei mir sind die Preise offen zugänglich:

Sie hängen mit am Gemälde in der Galerie, dort aber versteckt, so dass sie den Kunstgenuss nicht sofort schmälern. Mir selber geht es in Geschäften auch so. Erst möchte ich den Preis wissen, bevor ich ernsthaft in Betracht ziehe, mich in ein Stück zu verlieben.

 

Rabatte gebe ich nur in geringem Umfang:

Denn ich finde, der vereinbarte Preis ist wohlüberlegt und sollte es dem Käufer wert sein. Darin sehe ich die Wertschätzung der Arbeit des Künstlers. Tatsächlich möchten einige Kunden die Preise noch weiter runterhandeln. Ich frage mich dann, ob sie das auch in einem normalen Geschäft machen würden? Ob sie ein so erstandenes Kunstwerk mit gutem Gewissen täglich an der Wand sehen und genießen können?

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Künstler häufig Schwierigkeiten haben, einen passenden Preis für ihre Werke zu finden. Ein weiteres Problem: Einsteiger, selbst wenn sie mit dem vermeintlich niedrigen Faktor 5 starten, haben es oft sehr schwer, überhaupt einen Käufer zu finden. Deshalb finde ich es vollkommen OK, unter diesen Wert zu gehen.  

 

 

Meine Filmtipps zum Thema

Die Kunst der Fälschung

Die Doku "Die Kunst der Fälschung" zeigt, wie Wolfgang Beltracchi den Kunstmarkt ad absurdum geführt hat. Hier lernt man, wie verschiedene Parteien vom Betrug profitiert haben und wie der Markt der schönen Künste funktioniert.

 

Herb & Dorothy

Die Doku „Herb & Dorothy“ (leider nur in Englisch) handelt von einem Ehepaar, er Postbote, sie Bibliothekarin, mit durchschnittlichen Einkommen. Die Vogels leben in New York und haben ihr Leben lang Kunst gesammelt und so  eine der wichtigsten Privatsammlungen aufgebaut.

 

Kannst Du für wenig Geld Kunst sammeln?

Ich sage: ja.

Dazu empfehle ich dir, dir viel anschauen, um deine eigenen Vorlieben zu entdecken. Wenn dir eine Richtung gut gefällt, lerne so viel wie möglich darüber.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Falk (Montag, 28 Januar 2019 09:04)

    Schöner Artikel!
    Man spürt die innere Leidenschaft der Galeristin.
    Ich finde eine Anekdote von Matisse sehr schön und passend hierzu:
    Als er seine Madonna von Vence gemalt hat, wurde er von einem Reporter gefragt, wie lange er denn für dieses (wohl sehr teure) Bild gebraucht habe. Er soll geantwortet haben: "84 Jahre".
    Bild hier: https://pds.exblog.jp/pds/1/201408/19/64/f0234864_9432428.jpg

  • #2

    Susanne Höhne von Beuteltier Art (Montag, 28 Januar 2019 23:37)

    Hallo Falk, danke für das Lob. Das Beispiel dazu ist sehr schön.