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Kunstgalerie finden: 5 Gründe, warum du dir die Bewerbung sparen solltest & was du statt dessen machen kannst

Bestimmt hast du schon die Story gehört, dass Bewerbungen an Kunstgalerien meist ungelesen im Papierkorb verschwinden - in echt genauso wie virtuell. 

Dabei haben Galeristinnen und Galeristen ein großes Herz für Künstlerinnen und Künstler. Ich persönlich schaue mir jede Galeriebewerbung an. Doch auch mir ist es schon passiert, dass ich nicht geantwortet habe.

 

Warum also möchten viele Galerien gar keine Bewerbungen? Und wie kannst du es trotzdem schaffen, mit deiner Kunst in eine Galerie zu kommen? 

Grund 1: Die Bewerbung passt nicht zur Galerie

Die wichtigste Aufgabe der Galerien ist es, Kunstwerke zu vermarkten und Verkäufe zu erzielen. Denn davon leben wir.  Ohne diese Einnahmen kann eine Galerie wirtschaftlich nicht bestehen - es wäre dann nur ein teures - und schönes - Hobby. 

 

Um die passenden Menschen mit der Kunst anzusprechen, hat jede Galerie eine Nische, der sie weitest gehend treu bleibt. Denn das bereits aufgebaute Publikum hat eine bestimmte Erwartungshaltung, die man erfüllen möchte. Danach wählen Galerien ihre Künstler:innen aus. Wie experimentierfreudig und abwechslungsreich eine Galerie dabei vorgeht, kann sehr unterschiedlich sein. 

 

Wenn du über die Kunstgalerien recherchierst, wirst du ganz unterschiedliche Strategien sehen können. Manche spezialisieren sich auf ein bestimmtes Medium, z. B. Fotokunst, Grafik, Skulpturen, angewandte Kunst oder Malerei. Ebenfalls Kriterium sind natürlich die Motive selbst und die Botschaft der Kunst. Hinzu kommt häufig ein regionaler Bezug. 

 

In Leipzig gibt es beispielsweise Kunstgalerien mit den Schwerpunkten Leipziger Schule, Streetart und Hochdruck. Eine Galerie in Berlin stellt ausschließlich Kunst von Frauen aus. Einige haben politische, soziale und gesellschaftliche Themen als Schwerpunkt.  

 

Nun passiert es häufig, dass sich Kunstschaffende bewerben, die nicht gut in dieses Profil passen. Deswegen ist es wichtig, vor deiner Bewerbung gut zu recherchieren, ob deine Arbeiten zum Konzept passen. Zudem solltest du es der Galerie so einfach wie möglich machen und einige typische Fehler vermeiden. 

 

Grund 2: Deine Kunst passt "zu gut"

Deine Kunst passt perfekt! Wenn deine Werke wirklich gut zur Galerie passen, ist eine Bewerbung auf jeden Fall einen Versuch wert. Dennoch kann es passieren, dass dir abgesagt wird.

 

Der Grund kann sein, dass die Galerie schon sehr ähnliche Kunst im Programm hat. Sie möchte ihren Künstlerinnen und Künstlern, die sie bereits vertritt, keine Konkurrenz machen und ihre Kundschaft nicht mit einem redundanten Angebot verwirren. 

Grund 3: Die Galerie ist ausgelastet

Ein befreundeter Galerist fragte mich letztens, ob er mir einige seiner Bewerbungen weiterleiten könne: 

 

"Hallo Susanne,

ich bekomme enorm viele Art Submissions über Social Media sowie die Website.

Da ich ohnehin schon mehr Künstler habe, als ich seriös und mit der gebührenden Aufmerksamkeit betreuen kann, muss ich nahezu allen eine Absage erteilen. Das liegt zum Einen an der Kapazität, zum Anderen oftmals daran, dass die Künstler zwar durchaus arriviert sind, aber nicht in mein Galeriekonzept passen. Ich würde ihnen gern helfen und habe auch ein entsprechendes Netzwerk, aber vielen meiner Galeriekontakte geht es wie mir. Sie sind schlicht voll mit guten Positionen." 

 

Meine Antwort war: "Leider nein."

 

Denn ich selbst bekomme ebenfalls Woche um Woche sehr viele Bewerbungen. 

Die meisten Galerien sind schlichtweg voll mit Künstler:innen die sie gut betreuen möchten.

 

Der Platz für Ausstellungen und die Zeit für entsprechenden Marketingaktivitäten sind begrenzt und möchten optimal genutzt werden. Auf diese Aufgabe konzentriert sich die gesamte Energie der Galerien - eine ungefragte Bewerbung wird da leider manchmal auch als zusätzliche Arbeit gesehen.

 

 

Zudem kann das Publikum der Galerie nicht in unbegrenzten Mengen Kunst kaufen. Ein "Überangebot" würde weder der Kunstgalerie noch den Menschen, die ihr vertrauen und folgen, gut tun.  

 

Darum ist eine Galerie, die sehr viele Künstler:innen in nahezu jede Richtung aufnimmt, auch für dich als Künstler:in nicht empfehlenswert. Deine Werke stehen dann vielleicht irgendwo versteckt im Lager oder auf einer Website und gehen in der Menge unter.

Galerien sind einfach voll
Viele Galerien sind einfach voll - Meine Galerie beim Umräumen - Foto: Jea Pics

Grund 4: Darum solltest du nicht ungefragt mit deiner Mappe vorbeikommen

Manche kommen einfach ohne Termin rein, sagen "Hallo, ich bin Künstler:in" und holen die Mappe aus der Tasche oder zücken ihr Handy, um ihre Bilder zu zeigen. 

 

Uiii, jetzt wird es kompliziert für mich. 

 

Ja, ich liebe Kunst! Ja, ich bin ein empathischer Mensch und möchte dir gern helfen. Zugleich gehöre ich zur ehrlichen Sorte und bin etwas konfliktscheu. Das ist einfach mein persönlicher Charakter. Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus. 

 

Du möchtest mir deine Kunst zeigen und ich denke:

  • Was soll ich sagen, wenn mir deine Kunst nicht gefällt?
  • Was sage ich, wenn ich denke, sie ist noch unausgereift?
  • Oder wenn sie mich schlichtweg nicht anspricht? 

 

Das kann passieren - und das bedeutet gar nichts!

Denn meine Meinung zu einem Kunstwerk ist ja einfach nur meine persönliche Meinung.

 

 

Meine Gedanken dahinter sind:

  • Was, wenn meine Antwort einen Menschen davon abhält, weiter Kunst zu erschaffen?
  • Was, wenn jemand wegen mir nicht mehr an sich und seine Kunst glaubt?
  • Ich möchte doch jeden Menschen, der Kunst erschafft, unterstützen!

 

Andererseits möchte ich nicht so tun als ob ich alles toll finde, wenn es nicht stimmt. Ich kann dir auch keinen Platz in der Galerie anbieten, wenn ich keinen habe oder nicht 100% dahinter stehe. Ehrlich, ich bin verdammt schlecht darin, dir etwas vorzumachen - und stolz darauf :)

 

Um wirklich zu helfen, möchte ich ehrlich sein. Jedes schwammige Drumherumreden weckt nur falsche Hoffnungen. Andererseits möchte ich keinesfalls unhöflich sein oder deine Erwartungen enttäuschen.

 

Galeristin Susanne Höhne
Mir fällt es schwer, wenn ich deine Kunst beurteilen soll

Ehrlich gesagt: Es fällt mir schwer, wenn ich deine Kunst beurteilen soll. Erst recht so ganz persönlich, zwischen Tür und Angel. Das bringt mich jedes Mal in eine Zwickmühle. 

 

 

Deswegen bevorzuge ich eine Bewerbung per E-Mail mit einem Link zu deinem Instagram-Account, zu deiner Website oder einem Anhang mit maximal 4 deiner Werke.

Wenn es mich anspricht und meiner Meinung nach passen könnte, dann kann immer noch ein persönliches Treffen mit den echten Werken folgen. 

Absagen fällt schwer: Galerist:innen sind auch nur Menschen

 

Ganz egal, ob mich deine Kunst anspricht oder nicht, ob du zur Galerie passt oder nicht: Eine Absage kann viele Gründe haben und jede fällt mir schwer. Und ich denke, das geht vielen meiner Kolleg:innen ähnlich: 

 

  • Denn ich weiß, dass es dich als Künstlerin oder Künstler Mut kostet, deine Werke zu zeigen.
  • Und ich weiß, dass du Hoffnungen an die Bewerbung knüpfst. 
  • Ich weiß, wie es sich anfühlt, eine Absage zu bekommen. 

 

Viele Bewerber:innen schreiben mir, dass sie mich sympathisch finden und ihnen mein Konzept so gut gefällt. Das ist ein sehr großes Lob für mich und meine Arbeit - darüber freue ich mich mega. Umso weniger möchte ich dann diese Erwartungen enttäuschen. 

 

Darum ist es mir schon passiert, dass ich eine Antwort herausgezögert habe oder gar nicht geantwortet habe. Das passiert besonders dann, wenn mir die Bewerbung gefallen hat, und ich noch hin- und herüberlege, ob es doch irgendwie gehen würde. 

 

Doch diese verschobenen Antworten helfen dir nicht weiter ich möchte meine Energie vorrangig darauf verwenden, für meine Kunden und Künstler:innen da zu sein. Mittlerweile habe ich einen Prozess für mich gefunden, um auf jede Bewerbung zu antworten. 

Grund 5: Galerien möchten ihre Künstler:innen selbst auswählen

Galerien, genauso wie Kuratoren und Kunstsammlerinnen haben eine große Freude daran, die Welt der Kunst zu erkunden. Diese Menschen sind begeistert von Kunst. Sie möchten suchen, erkunden und entdecken. 

 

Sie möchten ihre Künstler:innen selbst finden, statt Bewerbungen zu bekommen.

 

 

Hier einige Beispiele, die dich zu einer Galerie bringen können: 

  • Bei einer Diplomausstellung entdeckt werden
  • Von anderen Künstlern deiner Wunschgalerie empfohlen werden
  • Von anderen Galeristen, Kuratorinnen oder Kunsthändlern empfohlen werden 
  • Bei einer Ausstellung, einem Pop-Art-Event oder einer Gruppen-Ausstellung direkt von der Galeristin angesprochen werden 
  • Bei einem Kunstpreis, Award oder einfach beim dazugehörigen Bewerbungsprozess entdeckt werden: Bei solchen Wettbewerben kann es für deine Laufbahn aussichtsreicher sein, nicht die Jury, sondern vor allem die Galeristinnen und Kuratoren darin zu überzeugen
  • Von einem Kunstsammler empfohlen werden 

 

An den Beispielen siehst du, was du selbst machen kannst: Aktiv sein und Netzwerken. 

Was bedeutet das für dich?

Galeriebewerbung nur mit guter Recherche

Wenn du dich tatsächlich bei einer Galerie bewirbst, dann recherchiere zuvor gut und sende eine knackige Galeriebewerbung, die auf den Punkt kommt und die Menschen dort persönlich anspricht und abholt. Warum möchtest du mit dieser Galerie arbeiten? Und was kannst du der Galerie bieten? Im letzten Blogpost findest du häufige Fehler, die du lieber vermeiden solltest. 

 

 

Im Falle einer Absage

Du weißt jetzt, es kann ganz viele Gründe für eine Absage geben. Es kann sein, dass einfach der Zeitpunkt schlecht war oder deine Bewerbung gar nicht richtig gelesen wurde. Darum: Sollte dir abgesagt werden, dann nimm es auf keine Fall als Wertung deiner Kunst oder gar deiner Person. 

 

Du hast einen guten Grund, warum du Kunst erschaffst. Deshalb ist es wichtig, dass du an dich glaubst. Ganz egal, was andere sagen: Mache dich, so gut es geht, vom Urteil anderer unabhängig. 

 

 

Lass dich finden - mach dich sichtbar

Bitte bleib nicht im stillen Kämmerlein oder Atelier und hoffe darauf, irgendwann entdeckt zu werden.

Du kannst es selbst in die Hand nehmen, gefunden zu werden. Wenn du sichtbar bist, wenn du aktiv mit deiner Kunst rausgehst und Menschen kennen lernst, dann werden andere dich sehen und finden.

 

Auch wenn du vielleicht denkst, dass deine Arbeit noch nicht perfekt ist - oder noch nicht genau so, wie du sie möchtest - arbeite bitte weiter dran UND geh trotzdem schon damit raus. 

 

Denn erstens wird es niemals perfekt und zweitens ist deine Entwicklung gerade das spannende für dein Publikum. Dokumentiere deinen Weg in der Kunst. Zeig dich und finde Fans, die dich unterstützen. So wirst du Stück für Stück die richtigen Menschen und Möglichkeiten anziehen. 

 

Was du konkret machen kannst, um gefunden zu werden, darum geht es im nächsten Blogpost. 

Deine Susanne Höhne
Glaube an dich und deine Kunst! Deine Susanne Höhne

Die Kunst, deine Kunst zu verkaufen

 

Möchtest du am liebsten gleich loslegen? 

Dann habe ich was für dich. 

 

 

Die Kunst, deine Kunst online zu verkaufen

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Kommentare: 2
  • #1

    Elvira (Donnerstag, 22 April 2021 12:34)

    Liebe Susanne - was für ein toller Artikel. Richtig klasse und sehr hilfreich für mich als Künstler. Danke Dir.

  • #2

    Susanne von Beuteltier Art (Donnerstag, 22 April 2021 13:19)

    Dankeschön für deine Worte, Elvira, ich freue mich sehr, wenn es dir hilft.