Wie ich eine Galerie eröffnet habe, obwohl ich kaum Ahnung von der Kunstszene hatte

Ein kleines Interview mit mir, Susanne Höhne, über mein großes Projekt BeuteltierART

Hast Du schon immer was mit Kunst gemacht?

über 10 Jahre habe ich als Ingenieurin gearbeitet

Studiert habe ich (übrigens jeweils mit erfolgreichem Abschluß) Druck- und Verpackungstechnik, und später Betriebswirtschaftslehre. 

 

Über 10 Jahre habe ich als Angestellte im Bereich Qualitäts-, Prozess- und Projektmanagement gearbeitet.

mein Lieblingsmann hilft mir besonders viel
mein Lieblingsmann hilft mir besonders viel

Dann habe ich mein Leben komplett gedreht und meine Galerie aufgemacht.

Genau so eine, wie ich sie mir als Kunde immer gewünscht habe.

Klingt verrückt, oder?

 

Es war ein großer Schritt für mich, mein Leben so auf den Kopf zu stellen. 

 

Als der Entschluss da war, habe ich einfach losgelegt:

Forschen, Informieren, Businessplan schreiben und Finanzplanung erstellen. Künstler finden, die mit mir arbeiten wollten. Einen Laden mieten und fleißig renovieren. 

 

 

Von meiner Familie und Freunden habe ich erst komische Blicke geerntet und dann jede Menge Unterstützung bekommen. Das war echt eine aufregende Zeit! 

 

Allein hätte ich es bestimmt nicht geschafft. 


Wieso hast Du gerade eine Kunstgalerie aufgemacht?

Die analytischen Jobs fielen mir schon immer leicht. Doch so richtig glücklich war ich als Angestellte nie. 

 

Der endgültige Auslöser war ein beruflicher Rückschlag: Mir wurde aus heiterem Himmel gekündigt. Der Grund dafür war schlichtweg eine Fehlplanung des Unternehmens.

 

Aus heiterem Himmel wurde mir gekündigt - Zum Glück!

Erstmal hat mich die Situation wie ein Blitz getroffen, ich war ziemlich deprimiert. Doch dann begriff ich, dass ich sowieso nicht wirklich zufrieden mit dem Job war. 

Was will ich wirklich machen?

Ich rappelte mich auf und nutzte die Zeit, um in mich zu gehen, und darüber nachzudenken, was ich wirklich machen will. 

 

 

Inspiriert vom Reisen

Gerade zu dieser Zeit reiste ich mit meinem Mann zu einem Kurzurlaub nach Holland.

 

Wir genossen die Zeit, die vielen schönen Antiquariate, wilden Trödelmärkte, bunten Galerien und viele interessante, offene Menschen.


Genau diese künstlerische Seite hatte in meinem Leben bisher gefehlt.

Das Team: Susanne Höhne & Dackel Vara ©ToniK Picturesque
Das Team: Susanne Höhne & Dackel Vara ©ToniK Picturesque

Zur Schulzeit war ich richtig Kunst begeistert, konnte gut zeichnen, singen, Klavier spielen.

 

Einen Berufsweg in dieser Richtung habe ich mir damals nicht zugetraut, so gut bin ich ja dann doch nicht, dachte ich, und nur die Wenigsten schaffen es, mit ihrer Kunst erfolgreich zu sein.

 

Das es auch andere Wege gibt, kam mir nicht in den Sinn. 

 

Lieber erstmal was Sicheres machen.

 

Im Job-Alltag dann habe ich all das aufgegeben, es gab einfach nie genug Zeit.


Früher wagte ich mich selten in Kunstgalerien:

Ich habe ja keine Ahnung von Kunst, dachte ich ...

... und auch nicht genug Geld, um mir ein eigenes Kunstwerk zu kaufen. So blieb es beim jährlichen Rundgang durch die HGB Leipzig.   

 

Wagte ich mich doch mal in eine Galerie, war es oftmals ein komisches Erlebnis:

 

Meist habe ich mich einfach eingeschüchtert gefühlt von der sterilen Atmosphäre, den hohen Preisen und dem Gefühl, hier nicht dazu zu gehören.  

 

Erst durch die Reise in den Niederlanden fiel mir wieder ein, wir zwanglos und angenehm die Besuche in einigen Galerien und Ateliers auf unseren Reisen durch Asien und Europa waren.

 

Mein Mann und ich hatten sogar begonnen, die ersten richtigen Kunstwerke aus Thailand zu importieren, um sie in unserer Wohnung aufzuhängen.

Da war die Idee da ...

... in meiner Heimatstadt Leipzig diese besondere Kunstgalerie aufzumachen.

 

Eine Galerie, in die sich jeder reintrauen kann und die erschwingliche und schöne Kunst anbietet.

Erschwingliche und schöne Kunst ©ToniK Picturesque
Erschwingliche und schöne Kunst ©ToniK Picturesque

Kunst zum Verlieben

Ich richte mich an Menschen, die einfach ein schönes Kunstwerk für sich suchen, und das sollen sie sich auch leisten können. 

Dabei halte ich mich nicht an die Regeln des konventionellen Kunstmarktes:

Die "normalen" Galerien haben ihre eigene Kundschaft, erfahrene Kunstsammler mit dem nötigen Großgeld, für die zumeist die Wertentwicklung an erster Stelle steht. 

 

Diese werden sich vermutlich selten zu mir verirren, das ist vollkommen OK.  

Kunst kaufen einfach schön

Die Galerie habe ich total gemütlich eingerichtet. Man kann Stöbern und entdecken, es gibt auch jede Menge Kleinigkeiten zu kaufen. 

 

Die Kunstwerke wähle ich sorgfältig aus, es geht darum, die Menschen zu berühren. Eben Kunst zum Verlieben.  

Die Galerie ist zudem ein wunderschöner Ort für Kultur:

Regelmäßig finden Lesungen und Konzerte statt. Hier kommen die Menschen miteinander ins Gespräch. 


Mein Erfolg: meine Kunden sind begeistert

Ich habe schon viele begeisterte Stimmen gehört, sogar Kunsthistoriker und Künstler lieben meine Idee. Vor allem aber gibt es viele Menschen, die sagen: Klasse, endlich eine Galerie, in die ich mich reintraue. 

 

Das ist natürlich ein tolles Gefühl!

 

Die Selbständigkeit macht mir riesigen Spaß:

Vielseitige Aufgaben, eigene Veranstaltungen planen, und jede Menge Kunst.

 

Dabei lerne ich so viele interessante Menschen mit bunten Lebensläufen kennen.

 

 

Das ermutigt mich immer wieder darin, dass ich mein Leben in die richtige Richtung für mich gedreht habe. Jetzt heißt es dranbleiben! 

Einziges Problem:

Als eigene Chefin muss ich mir hin und wieder selbst in den A... treten. Auch da hilft mir mein Mann gern.  


Sind die Bilder von Dir?

Nein, ich zeichne und male eher selten. Einige der Möbel restauriere ich selbst, und der Rahmungsservice ist ebenfalls ein Handwerk, dass ich ausführe.  

Meine größte Kunst ist es, dass Du Dich in der Galerie wohlfühlst.

Susanne Höhne bei der Arbeit ©ToniK Picturesque
Susanne Höhne bei der Arbeit ©ToniK Picturesque

Woher kommen die Kunstwerke?

Die Werke stammen von verschiedenen Künstlern. Dabei steht das Ergebnis im Vordergrund, nicht der Lebenslauf. Bei mir haben auch Autodidakten eine Chance.

 

Ich wähle die Werke danach aus, ob sie mich berühren. Würde ich sie bei mir zu Hause haben wollen? 

Aus der Region Leipzig:

Viele "meiner" Künstler stammen teils aus Leipzig, wie André Martini, Stefan Frank, Marion Bellebna und Kati Becher, teils aus der Region, wie Hartwig Dilling und Federica Rampf. 

 

Es sind teils studierte Künstler, aber auch viele Autodidakten, die tolle Werke erstellen. 


Künstler Sanit, sein Werk und ich in Chiang Mai
Künstler Sanit, sein Werk und ich in Chiang Mai

Und aus der ganzen Welt:

Einige der Möbel sowie die Upcycling-Schränkchen und Leuchten von NI Design stammen aus den Niederlanden.

 

Viele der Bilder haben einen weiten Weg hinter sich. Auf meinen Reisen, die mich besonders oft nach Asien führen, halte ich stets Ausschau nach interessanten Sachen.

 

Daher gibt es bei BeuteltierART viele Kunstwerke aus Thailand und Vietnam.

Doch keine Sorge, dahinter stecken immer echte Menschen, die in Ihren Ateliers ihre Kunst betreiben, genauso wie die Künstler hier auch.


Woher kommt der Name BeuteltierART?

Um ehrlich zu sein, eine Bierlaune. Mein Mann, unser Freund Olli und ich sinnierten über den perfekten Namen. Als Fan der Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling kamen wir erst auf Beuteltierbar, dann passend zur Galerie auf BeuteltierART.  

 

Das Beuteltier ist super einprägsam und echt sympathisch. Zudem ist das Känguru aus dem Buch frech und bricht gern die Regeln, ein bißchen wie ich mit meiner Galerie. 

Siebdruck "Welt der Beuteltiere", extra von André Martini für die Galerie entworfen
Siebdruck "Welt der Beuteltiere", extra von André Martini für die Galerie entworfen